Erneut gute Nachrichten für geschädigte Anleger der Samiv AG.

Nach­dem bereits das Land­ge­richt Traun­stein zuguns­ten eines Anle­ger ent­schie­den hat­te, hat auch das Land­ge­richt Hanau einem Samiv AG geschä­dig­ten vol­len Scha­dens­er­satz zuer­kannt. Dabei ging es in bei­den Fäl­len jeweils um die inzwi­schen Insol­ven­te Samiv AG. In einem Fall fehl­te dem frei­en Anla­ge­ver­mitt­ler die not­wen­di­ge auf­sichts­recht­li­che Erlaub­nis zum Ver­trieb der Samiv AG Kapi­tal­an­la­ge und im ande­ren Fall wur­de dem Bera­ter eine nicht anle­ger- und objekt­ge­rech­te Bera­tung attes­tiert.

Zwar ist das Urteil des Land­ge­richts Hanau noch nicht rechts­kräf­tig und die Beru­fung läuft noch, aller­dings hat das Ober­lan­des­ge­richt deut­lich gemacht, sich der Argu­men­ta­ti­on des Land­ge­richts Hanau anschlie­ßen zu wol­len. Dies hät­te zur Fol­ge, dass auch hier der bera­ten­de Bera­ter Scha­dens­er­satz gegen­über dem Kun­den leis­ten müs­se, sobald das Urteil rechts­kräf­tig ist. Soll­te es dabei blei­ben, ste­hen die Chan­cen gut, dass es zur ers­ten rechts­kräf­ti­gen Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt in Sachen Samiv AG kommt. Damit wür­de das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt hin­sicht­lich der Samiv AG Fäl­le eine deut­li­ches State­ment zuguns­ten der betrof­fe­nen Anle­ger abge­ben.

Bei der Samiv AG han­del­te es sich um eine Schwei­zer Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­ge­sell­schaft, die aller­dings laut Anga­ben der Schwei­zer Staats­an­walt­schaft ledig­lich Kulis­se für einen plan­mä­ßi­gen Kapi­tal­an­la­ge­be­trug bot. Dabei wur­den Anle­ger­gel­der haupt­säch­lich von Kun­den aus Deutsch­land über loka­le Ver­triebs­net­ze ein­ge­sam­melt und in die Schweiz trans­fe­riert. Dort wur­den die Gel­der aller­dings nicht wie ver­spro­chen ange­legt, son­dern wur­den vom ehe­ma­li­gen Geschäfts­füh­rer der Samiv AG zweck­ent­frem­det. Die­ser steht der­zeit eben wegen jener Geschäf­te in der Schweiz vor Gericht. Zuvor wur­de er bereits in Lich­ten­stein wegen ähn­li­cher Delik­te ver­ur­teilt.

Bei der insol­ven­ten Samiv AG fan­den sich kei­ne nen­nens­wer­ten Anle­ger­gel­der mehr, sodass die Anle­ger von einem Total­ver­lust betrof­fen sind.

Wur­de die Betei­li­gung an der Samiv AG jedoch von einem Anla­ge­be­ra­ter oder Ver­mitt­ler zum Kauf emp­foh­len und dabei nicht über die erheb­li­chen Risi­ken, wie etwa das Total­ver­lust­ri­si­ko auf­ge­klärt oder die Anla­ge als völ­lig siche­re Sache bezeich­net, dann ste­hen betrof­fe­nen Anle­gern mög­li­cher­wei­se Scha­dens­er­satz­an­sprü­che zu. Dies ist auch dann der Fall, wenn dem ver­mit­teln­den Bera­ter die not­wen­di­ge Erlaub­nis als Finanz­dienst­leis­ter fehl­te.

Betrof­fe­ne Anle­ger der Samiv AG soll­ten ihrer Ansprü­che prü­fen las­sen, bevor es zur Ver­jäh­rung der Ansprü­che kommt. Regel­mä­ßig ver­jäh­ren Ansprü­che drei Jah­re nach dem Jahr, indem sie ent­stan­den sind und der Gläu­bi­ger davon Kennt­nis erlangt hat (§ 199 BGB). Die Mit­tei­lung der Zah­lungs­un­fä­hig­keit der Samiv AG an die Anle­ger erfolg­te durch den Liqui­da­tor im Jah­re 2012, sodass spä­tes­tens hier Kennt­nis von dem Total­ver­lust der Anla­ge und mög­li­cher Scha­dens­er­satz­an­sprü­che bei den Betrof­fe­nen ent­stan­den sein dürf­te.