Archiv der Kategorie: Kapitalmarktrecht

Der Bundesgerichtshof erweitert Risikoaufklärungspflichten bei offenen Immobilienfonds, um das Anteilsrücknahmerisiko

Von Zeit zu Zeit ist es dem Bun­des­ge­richts­hof ermög­licht grund­le­gend über bestimm­te Risi­ken anläss­lich einer Anla­ge­be­ra­tung zu ent­schei­den und ob über die­se auch dann auf­ge­klärt wer­den muss, wenn die Ein­tritts­wahr­schein­lich­keit gering ist. Die­se Risi­ken sind dann auch sol­che, die von den ande­ren Gerich­ten (Amts-, Land- und Ober­lan­des­ge­rich­ten) bei Scha­dens­er­satz­pro­zes­sen meist pro­blem­los aner­kannt wer­den. Risi­ken, über die der Bun­des­ge­richts­hof noch nicht ent­schie­den hat, fin­den in den Gerichts­ur­tei­len hin­ge­gen nur sel­ten und sehr dif­fe­ren­ziert Nie­der­schlag. Bis­her hat der Bun­des­ge­richts­hof etwa zum Total- und Emit­ten­ten­ri­si­ko ein­deu­tig ent­schie­den, dass hier­über bei ent­spre­chen­den Kapi­tal­an­la­gen auf­zu­klä­ren ist. Die­ser Rei­he fügt sich jetzt ein wei­te­res Risi­ko hin­zu.

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Erneut gute Nachrichten für geschädigte Anleger der Samiv AG.

Nach­dem bereits das Land­ge­richt Traun­stein zuguns­ten eines Anle­ger ent­schie­den hat­te, hat auch das Land­ge­richt Hanau einem Samiv AG geschä­dig­ten vol­len Scha­dens­er­satz zuer­kannt. Dabei ging es in bei­den Fäl­len jeweils um die inzwi­schen Insol­ven­te Samiv AG. In einem Fall fehl­te dem frei­en Anla­ge­ver­mitt­ler die not­wen­di­ge auf­sichts­recht­li­che Erlaub­nis zum Ver­trieb der Samiv AG Kapi­tal­an­la­ge und im ande­ren Fall wur­de dem Bera­ter eine nicht anle­ger- und objekt­ge­rech­te Bera­tung attes­tiert. Wei­ter­le­sen

Vollständige Provisionsoffenlegungspflicht ab dem 01.08.2014 für Anlageberater

Davon geht der Bun­des­ge­richts­hof in sei­nem Urteil vom 03.06.2014 Az. XI ZR 147/12 aus.

Sowohl Bank­be­ra­ter als auch freie Bera­ter müs­sen dem­nach ab dem 01.08.2014 nicht nur wie bis­her über Kick­backs bzw. Rück­ver­gü­tun­gen auf­klä­ren, son­dern jede Art der Zuwen­dung von Drit­ten offen­ba­ren. Wei­ter­le­sen

Keine Änderung der Linie des Bundesgerichtshofs hinsichtlich verschwiegener Rückvergütungen!

Der Bun­des­ge­richts­hof bleibt sei­ner Linie treu und bestä­tigt sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung zum The­ma Rück­ver­gü­tun­gen — auch Kick­backs genannt — in vol­lem Umfang. In sei­nem neu­er­li­chen Urteil vom 15.04.2014 Az. XI ZR 513/11 erneu­ert er sei­ne Aus­füh­run­gen aus dem ver­gan­ge­nen Jah­re in sei­nem Urteil vom 19.03.2013 Az. XI ZR 493/11. Dem­nach sind Ban­ken bereits seit Anfang der 1990er zur Auf­klä­rung über soge­nann­te Rück­ver­gü­tun­gen ver­pflich­tet und ein Ver­schwei­gen löst einen Scha­dens­er­satz­an­spruch des Anle­gers aus. Wei­ter­le­sen

Verweigert ein Anlageberater die offenlegung von Rückvergütungen/Kickbacks und kauft der Anleger dennoch die Kapitalanlage, hat er keinen Schadensersatzanspruch.

Ver­wei­gert der Bank­be­ra­ter im Bera­tungs­ge­spräch die Bekannt­ga­be der Höhe der Pro­vi­si­on, die er an Rück­ver­gü­tun­gen – auch Kick­backs genannt – erhält und kauft der Anle­ger den­noch die emp­foh­le­nen Kapi­tal­an­la­gen, kann er sich spä­ter nicht mehr auf eine Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zung des Bera­ters hin­sicht­lich ver­schwie­ge­ner Rück­ver­gü­tun­gen beru­fen.

Der Bun­des­ge­richts­hof ver­kün­de­te in sei­ner Ent­schei­dung vom 08.04.2014 Az. XI ZR 341/12, dass sich der Anle­ger nach Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) nicht mehr auf eine Pflicht­ver­let­zung des Bera­ter­ver­trags beru­fen kann, wenn er wuss­te, dass Rück­ver­gü­tun­gen flie­ßen, er aber trotz­dem zeich­net.

Scha­dens­er­satz­an­sprü­che sind damit ver­wirkt Wei­ter­le­sen

Die Kausalität hinsichtlich Schadensersatzansprüchen wegen Prospektfehlern wird zugunsten des Anlegers vermutet

Der Bun­des­ge­richts­hof stärkt ein­mal mehr die Ansprü­che von geschä­dig­ten Anle­gern von geschlos­se­nen Fonds. In einer Ent­schei­dung vom 11.02.2014 Az. II ZR 273/12, die kürz­lich ver­öf­fent­licht wur­de, ent­schied der für Gesell­schafts­recht zustän­di­ge zwei­te Zivil­se­nat zuguns­ten des Anle­gers und ver­wies die zuvor vom Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen abge­wie­se­ne Kla­ge zurück nach Mün­chen zur erneu­ten Ver­hand­lung.

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Keine Definitionsmacht der Banken bei Risikokategorien

Das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart hat am 18.12.2013 (Az. 9 U 52/13) ein für Anle­ger weg­wei­sen­des Urteil erlas­sen. Es hat sich hier­bei mit den Risi­ko­ka­te­go­rie­be­grif­fen der beklag­ten Bank beschäf­tigt. Vie­le Anle­ger ken­nen die­se Schlag­wor­te, die sich auf den Explo­ra­ti­ons­bö­gen der Bank fin­den. Zur Füh­rung die­ser sind Ban­ken gesetz­lich ver­pflich­tet. Sie müs­sen ent­spre­chend den Vor­ga­ben des Kre­dit­we­sen­ge­set­zes bei jedem Anle­ger unter ande­rem erfra­gen, ob und wel­che Risi­ko­be­reit­schaft er hat, wel­che Erfah­rung und wie sei­ne finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se sind.

Nicht gesetz­lich gere­gelt sind hin­ge­gen die genau­en Begrif­fe und Inhal­te die­ser Fra­ge­bö­gen. Es bleibt wei­test­ge­hend den Ban­ken über­las­sen, wie sie die­se for­mu­lie­ren und aus­ge­stal­ten.

Unkla­re oder aus­le­gungs­be­dürf­ti­ge For­mu­lie­run­gen sind aus Sicht des Kun­den zu beur­tei­len! Wei­ter­le­sen