Aktuelle Entscheidungen zum Widerruf von KfZ Finanzierungen

Der BGH hat mit einer Rei­he von Ent­schei­dun­gen vom 30.03.2021 unter Az. XI ZR 75/20, XI ZR 142/20 und XI ZR 193/20 sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung zum Wider­ruf von KfZ Finan­zie­run­gen bekräftigt.

Der BGH bestä­tigt erneut, dass die Ver­wen­dung des Ver­wei­ses “alle Pflicht­an­ga­ben nach § 492 Absatz 2 BGB” in den Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen von all­ge­mei­nen Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­gen nicht klar und ver­ständ­lich und mit­hin feh­ler­haft ist.

Der BGH bezieht sich hier auf die Aus­füh­run­gen des EuGHs zum Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie 2008/48/EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 23. April 2008 über Ver­brau­cher­kre­dit­ver­trä­ge und zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 87/102/EWG des Rates. Der EuGH hat­te in sei­ner Ent­schei­dung vom 26.03.2020 Az. C‑66/19 ent­schie­den, dass der Kas­ka­den­ver­weis in Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen auf Pflicht­an­ga­ben nach § 492 Absatz 2 BGB a.F. für den durch­schnitt­li­chen Ver­brau­cher unver­ständ­lich und nicht nach­voll­zieh­bar ist.

Wäh­rend der BGH die­se Recht­spre­chung des EuGHs bei grund­pfand­recht­lich besi­cher­ten Immo­bi­li­en­dar­le­hen nicht ent­spre­chend aner­kennt, son­dern wei­ter­hin von kla­ren und ver­ständ­li­chen For­mu­lie­run­gen aus­geht, muss­te er sich bei all­ge­mei­nen Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­gen den Aus­füh­run­gen des EuGHs beu­gen. Hier gilt näm­lich das Recht der o.g. genann­ten Richt­li­ni­en, die Immo­bi­li­en­dar­le­hens­ver­trä­ge sei­ner­zeit noch als optio­nal aus­ge­klam­mert hatten.

Ob die­se Zwei­tei­lung des BGHs indes recht­mä­ßig ist, wird der­zeit kon­tro­vers dis­ku­tiert. Für den Lai­en dürf­te es nicht nach­voll­zieh­bar­sein, wie­so ein und die­sel­be For­mu­lie­rung in Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen für all­ge­mei­ne Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­ge unver­ständ­lich, aber bei grund­pfand­recht­lich besi­cher­ten Dar­le­hens­ver­trä­gen sodann ver­ständ­lich sein soll.

Der BGH hat­te sich bereits in sei­nen bei­den Grund­satz­ent­schei­dun­gen vom 27.10.2020 — XI ZR 498/19 und XI ZR 525/19 zum Wider­ruf von Dar­le­hens­ver­trä­gen geäu­ßert, die der Finan­zie­rung eines Autos bzw. KfZ die­nen. Hier ins­be­son­de­re zu den Fol­gen der Rück­ab­wick­lung und der Anrech­nung des Wert­ver­lus­tes des Autos.

Die­se Recht­spre­chung bekräf­tig­te der BGH mit sei­nen neu­er­li­chen Ent­schei­dun­gen vom 30.03.2021 Az. XI ZR 75/20, XI ZR 142/20 und XI ZR 193/20.

Dem­nach sind Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen aus dem betrof­fe­nen Zeit­fens­ter von all­ge­mei­nen Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­gen nicht klar und ver­ständ­lich für den durch­schnitt­li­chen Ver­brau­cher, wenn sie einen Ver­weis auf „Pflicht­in­for­ma­tio­nen nach § 492 Abs. 2 BGB“ enthalten.

Der BGH geht indes trotz­dem von einer wirk­sa­men Wider­rufs­be­leh­rung aus, wenn sich das ver­wen­de­te Mus­ter an das jeweils gül­ti­ge gesetz­li­che Mus­ter für Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen in den Anla­gen zum EGBGB gehal­ten hat.

Die beklag­ten Ban­ken konn­ten sich vor­lie­gend aber nicht auf die soge­nann­te Gesetz­lich­keits­fik­ti­on nach Art. 247 § 6 Abs. 2 Satz 3 EGBGB a.F. beru­fen, da in den Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen jeweils Zwi­schen­über­schrif­ten gefehlt haben (BGH XI ZR 75/20, XI ZR 142/20 und XI ZR 193/20). Damit sind die Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen von dem sei­ner­zeit gel­ten­den Mus­ter für Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen nach Anla­ge 7 zum Art. 247 § 6 Abs. 2 EGBGB a.F. abge­wi­chen. Jede inhalt­li­che rele­van­te Abwei­chung vom jewei­li­gen gesetz­li­chen Mus­ter für Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen führt, laut BGH, zum Ver­lust des Mus­ter­schut­zes bzw. der Gesetzlichkeitsfiktion.

Mit­hin wur­de in den drei vor­lie­gen­den Fäl­len nicht hin­rei­chend über das Wider­rufs­recht infor­miert und ein Wider­rufs­recht bestand zunächst fort.