Anschrift ist nicht gleich E‑Mail-Adresse oder IP-Adresse

Der Aus­kunfts­an­spruch nach § 101 Abs. 3 Nr. 1 UrhG über „Namen und Anschrift“ umfasst nach ein­heit­li­cher Recht­spre­chung des EuGHs und BGHs ledig­lich den Namen und die Anschrift der Betroffenen.

Nicht erfasst wer­den von dem Aus­kunfts­an­spruch hin­ge­gen E‑Mail-Adres­sen oder IP-Adressen.

Der BGH hat in sei­nem Urteil vom 10.12.2020 – I ZR 153/17 aus­ge­führt, dass ein Inha­ber eines Urhe­ber­rechts, der einen Aus­kunfts­an­spruch gegen den Betrei­ber einer Inter­net­platt­form nach § 101 UrhG gel­tend macht, nicht Anspruch auf Her­aus­ga­be von E‑Mail-Adres­sen und IP-Adres­sen hat.

Die­se Daten sind nicht vom Begriff Name und Anschrift des § 101 Abs. 3 Nr. 1 UrhG bzw. des Begriffs Adres­se des Art. 8 Abs. 2 a) der Richt­li­nie 2004/48/EG umfasst.

Im vor­lie­gen­den Fall ging es um einen Aus­kunfts­an­spruch gegen You­Tube. Der Rech­te­inha­ber hat­te You­Tube auf­ge­for­dert ihm Aus­kunft über Namen und Adres­sen von Benut­zern, wegen rechts­wid­ri­gen Uploads zu über­mit­teln. You­Tube soll­te u.a. sowohl die E‑Mail-Adres­sen als auch die Tele­fon­num­mern sowie die IP-Adres­sen, die für das Hoch­la­den der urhe­ber­ver­let­zen­den Hand­lun­gen und letz­ten Zugrif­fe auf die Nutz­kon­ten ver­wen­det wur­den, herausgebe.

Das Ver­fah­ren ging bis zum BGH. Die­ser leg­te die Rechts­fra­ge dem EuGH vor. Der EuGH ent­schied mit Urteil vom 09.07.2020 – C‑264/19. Danach umfas­se „Anschrift“ nach dem § 101 Abs. 3 Nr. 1 UrhG, eben­so wie der Begriff „Adres­se“ der maß­geb­li­chen euro­pa­recht­li­chen Richt­li­nie 2004/48/EG nicht die Preis­ga­be von E‑Mail-Adres­sen oder IP-Adres­sen. Der BGH schloss sich in sei­nem Urteil vom 10.12.2020 – I ZR 153/17 den Aus­füh­run­gen des EuGHs an.

Daher ist unter Anschrift in die­sem Zusam­men­hang nicht die Über­mitt­lung von E‑Mail-Adres­sen oder IP-Adres­sen zu verstehen.

Sofern das Por­tal nicht über die not­wen­di­gen Infor­ma­tio­nen bzw. ledig­lich über E‑Mail-Adres­sen und IP-Adres­sen ver­fügt, müss­te es im Rah­men des jetzt ergan­ge­nen Urteils die­se Infor­ma­tio­nen nicht herausgeben.

Bemer­kens­wert ist hier­bei, dass der BGH in sei­ner Ent­schei­dung vom 10.12.2020 – I ZR 153/17 jede über den Geset­zes­wort­laut und die vom EuGH vor­ge­ge­be­ne Aus­le­gung von „Name und Anschrift“ ablehnt. Ins­be­son­de­re kann hier­bei nicht auf Bil­lig­keits­recht nach Maß­ga­be von Treu und Glau­ben im Rah­men der Anwen­dung des § 242 BGB zurück­ge­grif­fen wer­den, um die „Ein­schrän­kung“ des § 101 UrhG zu umgehen.

Für Port­al­be­trei­ber sorgt die­ses Urteil  inso­weit für ein gutes Stück mehr Rechts­si­cher­heit hin­sicht­lich der Her­aus­ga­be­pflicht von per­sön­li­chen Daten bei Anfra­gen von Rech­te­inha­bern wegen poten­zi­el­ler Urheberechtsverletzungen.